Home » DE » CoF » Junge Welt Interview – das vollständige Antwortskript

Am 25. September 2019 wurde auf der Webseite Junge Welt ein Interview mit der Confederation of Football e.V. veröffentlicht. Wie bei solchen Interviews üblich, werden dabei nicht alle Antworten vollständig und komplett wiedergegeben. Im Sinne unseres Transparenz-Gedankens veröffentlichen wir daher hier das komplette Frage- und Antwort-Skript. Damit wollen wir allen Interessierten die Möglichkeit geben, sich selbst ein Bild davon zu machen, was wir als vollständige Interview Antworten übermittelt haben.

Das veröffentliche Interview gibt es hier zum nachlesen.

https://www.jungewelt.de/artikel/363639.fu%C3%9Fball-gegen-das-dfb-monopol.html

Frage Junge Welt: Was war der Auslöser der Gründung der CoF? Nur die Unzufriedenheit mit dem DFB? Und worin besteht diese konkret?
Antwort CoF durch René Jacobi

Der eigentliche Auslöser war der Auftritt der deutschen Nationalmannschaft nach einem Länderspiel in Georgien in Leipzig im Jahr 2015. Es war der Abend des 12. Oktober 2015. Die deutsche Nationalmannschaft war ein Jahr zuvor in Brasilien Weltmeister geworden. In Leipzig spielte also an diesem Abend der aktuelle Weltmeister gegen die Nationalmannschaft von Georgien. Es war ein Spiel mit wenigen guten Momenten und am Ende gewannen die Deutschen knapp mit 2:1 gegen die eine Mannschaft aus Georgien, die sich mit einfachsten Mitteln fast ein Unentschieden erkämpften.

Mit dem Schlusspfiff hallte ein gellendes Pfeifkonzert durch das Leipziger Stadion, eine durchaus nachvollziehbare Reaktion, wenn man bedenkt, dass die Karten irgendwo im Bereich zwischen 35 und 80 Euro kosteten. Von den VIP Plätzen ganz zu schweigen. Und von weltmeisterlicher Spielweise war nicht wirklich etwas zu sehen gewesen.

Die Reaktion der Spieler auf ihre eigene Leistung, welche im Pfeifkonzert mündete, war umso erschreckender. Kein Danke an die Fans, keine Ehrenrunde, nichts. Stattdessen verschwanden die Spieler in Windeseile in den Katakomben und ließen sich auch nicht mehr blicken.

Knappe 2 Stunden später stehen circa 30 Menschen, der Großteil davon Kinder, an einem Nebeneingang des Mannschaftshotels in Leipzig. Als der Bus vorfährt gehen alle davon aus, dass sie bei der geringen Anzahl an wartenden Fans wohl mit fast jedem Spieler zu einem Foto kommen werden und ein Autogramm ergattern können. Doch wer sich gedacht hat, dass die Spieler, welche ein Jahr davor so sehr von den tragenden Kräften ihrer Fans erzählt hatten, sich Zeit nehmen würden, sah sich schnell eines Besseren belehrt.

Joachim Löw und Oliver Bierhoff waren die ersten die so schnell aus dem Bus entstiegen und im Hotel verschwanden, dass in der Zwischenzeit niemand auch nur Ansatzweise sein Handy oder seine Kamera in Position bringen konnte. Von einem gesamten Team von 35 Menschen in diesem Bus, nahmen sich genau 2 Spieler die Zeit, sich mit ihren Fans zu zeigen, ein Foto zu machen, ein kurzes Gespräch zu suchen oder Autogramme zu verteilen.

Diese Geschichte ist das Sinnbild des heutigen Fußballs. Die heutigen „Spitzenverbände“ und ihre Beteiligten haben sich so weit von der Basis entfernt, dass ab und an mal ein paar Brotkrummen zur Besänftigung an die so viel gepriesene Basis verteilt werden, bevor man sich wieder mit den Luxusproblemen beschäftigen kann.

Der DFB ist, insbesondere bei unserer Zielgruppe, der Basis, also den Vereinen auf Kreis- und Landesebene im Wesentlichen nur dadurch bekannt, dass Regelungen, Vorgaben und neue Dinge konsequent auf die Basis abgewälzt werden, welche diese dann einfach umzusetzen haben. Mitbestimmung ist weder erwünscht noch möglich.

Dafür prägendes Beispiel ist ja auch der vor kurzem erst durch eine Findungskommission vorgeschlagene neue DFB Präsident in spe. 6 Leute, die auch nur mit diesem einen Kandidaten gesprochen haben, haben alle anderen Bewerber geflissentlich ignoriert, mit hervorragender Unterstützung der Landesverbände.

So macht der DFB gern Vorgaben, wie diese umgesetzt werden, ist dann die Problematik der Vereine an der Basis. Die dem DFB angegliederten Kreis- und Landesverbände sind derweil, genauso wie die Vereine selbst heillos überfordert und verstecken sich hinter Aufgaben, welche eigentlich niemandem weiterhelfen.

Als Paradebeispiel kann hierfür das Thema Satzungen und Ordnungen angeführt werden. Alle Vereine in Deutschland unter dem Dach des DFB spielen Fußball. Es ist der gleiche Sport, welcher überall in Deutschland den gleichen gesetzlichen Regelungen unterliegt (Ausnahmen im Bau- und Veranstaltungsrecht mal ausgenommen). Trotzdem gibt es in Deutschland einen Flickenteppich an unterschiedlichsten Regelungen für ein und die gleiche Sportart. Damit kann man sich zwar wunderbar beschäftigen, ein Problem an der Basis löst das nicht wirklich.

So hat der DFB bis zum heutigen Tag es zum Beispiel nicht hinbekommen, eine Leitlinie für alle Vereine in seinem Einflussbereich zum Thema DSGVO zu entwickeln. So waren die meisten Vereine bei der Umsetzung vollkommen auf sich allein gestellt. Dass die, häufig ebenfalls von Ehrenamtlichen geführten Kreis- und Landesverbände damit auch heillos überfordert sind, liegt auf der Hand.

Zusammenfassend haben wir festgestellt, dass wir in Deutschland 26 Königreiche haben (Regional- und Landesverbände) +x (Anzahl der eigenständigen Kreisverbände) welche sich gegenseitig mit administrativen Aufgaben beschäftigen, dadurch unnötig hohe Kosten verursachen und wenn die Vereine tatsächlich mal Hilfe brauchen, einfach das Problem wieder auf die Vereine abwälzen. So kann man in allen Veröffentlichungen des DFB bis hinunter zu den Kreis-Verbänden ein einheitliches Muster verfolgen:
– es gibt zu wenig Schiedsrichter -> sollen sich die Vereine mehr anstrengen
– die Infrastruktur ist ausbaufähig -> sollen sich Städte, Kommunen, Gemeinden, Bund und Länder darum kümmern
– der Frauen-Fußball hat nicht den gleichen Stellenwert wie die Männer -> müssen die Vereine mehr machen
– die Gewalt auf den Plätzen ist ein riesiges Problem -> sollen die Vereine lösen.
– die Profis geben zu wenig Geld in den Amateurbereich -> sollen die Vereine an der Basis mehr Mitgliedsbeiträge nehmen

Egal welches Thema man sich herauspickt, der DFB und seine angeschlossenen Verbände haben für nichts eine Lösung, aber immer jemand anderen der sich darum kümmern soll.

Diese Unzufriedenheit mit der Arbeit für den Fußball mündete ja bereits in einer Vielzahl von Initiativen:

– GABFAF (durch ein Medienunternehmen)
– Rettet die Amateurvereine
– Amateurvereine fordern Unterstützung

und viele weitere Versuche zeigen das Problem sehr deutlich. Die Vereine fühlen sich nicht durch ihre Verbände vertreten und müssen daher weitere Strukturen außerhalb der Verbände aufbauen, damit ihre Stimme gehört wird. Diese zusätzlichen Initiativen sind der Inbegriff von Stimmlosigkeit und das konsequente ignorieren dessen, was die eigenen Mitglieder von den heutigen Verbänden erwarten.

Und doch zeigt die Realität der letzten Jahre, dass die vorhandenen Strukturen, egal welche Kritik oder welche Lösungsansätze es gibt, diese einfach aussitzen oder ignorieren können. Und genau hier kommt aus unserer Sicht das Problem des Monopolisten ins Spiel. Wenn ich als Verein mit meinen Mannschaften an einem organisierten Spielbetrieb teilnehmen möchte, gibt es heute nur diese eine Organisation.

Also habe ich die Wahl gar nicht aktiv zu spielen, oder einfach das hinzunehmen, was von den bestehenden Verbänden angeboten wird. Da für die meisten Menschen jedoch Fußball elementarer Teil ihres Lebens ist, scheidet Variante 1 nachvollziehbarer Weise aus.

Frage Junge Welt: Soll CoF zu einem kompletten Verband werden, der vom Jugendbereich bis zur Schiedsrichterausbildung alles umfasst – und zwar bundesweit?
Antwort CoF durch René Jacobi

Genau dies entspricht dem langfristigen Ziel Bild der CoF. Ein organisierter flächendeckender Spielbetrieb auf Amateurebene.

Einen wesentlichen Unterschied machen wir dabei bereits beim Thema Schiedsrichter. So gehören Schiedsrichter bei uns effektiv zum Verband und nicht zu den Vereinen. Die Problematik, Schiedsrichter zu finden und zu halten, ist vor allem im ländlichen Raum ein Problem dass die Vereine dort aufgrund von Abwanderung in die Städte heute schon kaum lösen können. Und wer nicht genug Schiedsrichter stellt, wird mit Punktabzügen und Geldstrafen verfolgt. Allerdings sorgen weder Geld- noch Punktstrafen für mehr Schiedsrichter.

Frage Junge Welt: Soll CoF auf den Amateurbereich beschränkt bleiben?
Antwort CoF durch René Jacobi

Die CoF hat einzig und allein den Fokus auf dem Amateurbereich. Aus unserer Sicht sind die Probleme der 1 bis 3 Ligen einzig und allein auf die ungleichmäßige Geld-Verteilung fokussiert. Das Problem lässt sich allerdings in den aufgespaltenen Strukturen (1 und 2 Liga sind in der DFL organisiert, die 3 Liga untersteht dem DFB) nicht lösen.

Im Amateurbereich gibt es allerdings viel grundlegendere Probleme, bei denen effektive und wirkungsvolle Lösungen möglich sind. Diese werden nur Mangels Interesse von den vorhandenen Organisationen nicht umgesetzt (siehe Schiedsrichter etc.).

Frage Junge Welt: Welche Erfahrungen haben Sie mit dem DFB nach der CoF-Gründung gemacht? Ignoranz? Indirekte Anfeindungen? Sanktionen, wenn ja, welche?
Antwort CoF durch René Jacobi

Da unserer Wettbewerber ja aufgrund unseres Organisationsziels eher die Kreis- und Landesverbände sind, haben wir mit dem DFB keinerlei Berührungspunkte. Unsere Leitlinie lautet hier grundsätzlich, dass wir unsere Arbeit für die Vereine und unsere Mitglieder an der Basis machen, was die bestehenden Verbände machen, tangiert uns unwesentlich.

Einzige Ausnahme ist, wenn die bestehenden Verbände, wie z.B. der Fußballverband Stadt Leipzig e.V. (FVSL) gegen uns oder gegen Vereine/Mannschaften vorgehen, welche mit uns zusammen arbeiten wollen. So wehren wir uns nachvollziehbar gegen falsche Behauptungen, wie es jeder Wettbewerber in anderen Märkten auch macht.

So hat der FVSL zum Beispiel Ende 2018 ein Rundschreiben an seine Vereine versendet, in denen er die Behauptung aufstellt, dass die Spieler nicht versichert wären, wenn diese an unseren Veranstaltungen teilnehmen würden. Des Weiteren wurde die Behauptung aufgestellt, dass die Vereine Probleme mit den Fördergeldern und den bestehenden Pachtverträgen für ihre Anlagen bekommen könnten.

Nichts davon entspricht der Wahrheit, führt aber natürlich dazu, dass die Vereine verunsichert werden. Hier ist es denke ich für jeden nachvollziehbar, dass wir solche Themen nicht unkommentiert im Raum stehen lassen sondern aktiv und offen die Fakten und Realität an die Vereine kommunizieren.

Darüber hinaus gibt es natürlich die üblichen Repressions-Versuche in Form von Sportgerichtsverfahren gegen unsere Mitglieder oder mit uns zusammen arbeitende Vereine. So sind unsere Schiedsrichter, die ja als freie Menschen wählen dürfen, in welchen Vereinen sie sich aktiv engagieren z.B. Mitglieder in Vereinen des FVSL und dort als Schiedsrichter aktiv, aber eben auch im Rahmen ihrer grundgesetzlich geschützten Freiheiten auch bei uns als Schiedsrichter aktiv. So wurde nun z.B. versucht, unsere Schiedsrichter mit hanebüchenen Vorwürfen im Rahmen mehrerer Sportgerichtsverfahren einzuschüchtern. Was haben diese Menschen gemacht? Sie haben lediglich als Schiedsrichter Spiele im Wirkungsbereich der CoF geleitet.

Man muss hier vielleicht als Hintergrunderklärung auch deutlich machen, dass die bisherigen Verbände dieses Muster schon in den letzten Jahren konsequent angewendet haben. Wer nicht so wollte wie die Verbände wurde einfach so lange mit unsinnigen Strafen oder vollkommen irrelevanten Themen beschäftigt, bis er irgendwann entnervt aufgegeben hat.

Frage Junge Welt:Welche Verbandsentwicklung hat CoF seit der Gründung im Januar 2018 genommen? Zuwachs? Stagnation?
Antwort CoF durch René Jacobi

Grundsätzlich liegt es in unserer Strategie, dass wir langsam wachsen. Dies bedeutet, dass wir uns bis Mitte 2020 das Ziel gesetzt haben, die Strukturen für eine hohe Mitglieder Anzahl -> 1000 (Regelungen, IT-Abläufe, Organisationsstrukturen etc.) zu entwickeln. Unser größtes Risiko wäre zum jetzigen Zeitpunkt ein zu schnelles Mitgliederwachstum.

Aus diesem Grund kann zwar aktuell jeder der sich beteiligen oder uns aktiv unterstützen möchte Mitglied werden, wir werben allerdings nicht offensiv darum. So haben wir derzeit ein Team von 35 Menschen als aktive Mitglieder, welche sich mit viel Aufwand und Zeit ehrenamtlich am Aufbau der Strukturen beteiligen. Darüber hinaus haben wir circa 50 weitere Einzelpersonen und Organisationen, welche uns aktiv unterstützen. Die CoF wächst also entsprechend unserem Plan langsam, aber kontinuierlich. Dabei sollte vor allem eines deutlich herausgestellt werden. Keiner dieser Menschen erhält für diese Arbeit auch nur einen Euro, es ist vollständige ehrenamtliche Arbeit. Weil wir daran glauben, dass wir mit unseren Ideen und Konzepten einen entscheidenden Unterschied für den Amateurfußball, fernab von bunten Kampagnen, schaffen werden.

Frage Junge Welt: Konnten Sie sich im Amateurbereich landesweit mehr und mehr bekannt machen? Gibt es bekanntere „Überläufer“ vom DFB zur CoF?
Antwort CoF durch René Jacobi

Das Thema CoF ist im Bereich Sachsen unserer Wahrnehmung nach mittlerweile fast flächendeckend bekannt. Natürlich haben wir in Leipzig, auch dank der vielen Erwähnungen in Rundschreiben durch den Fußballverband Stadt Leipzig e.V. natürlich eine mittlerweile komplette Bekanntheit. Unsere Mitglieder werden bei Spielen angesprochen und man sucht aktiv das Gespräch mit uns. Das ist natürlich auch ein gutes Zeichen, dass das Interesse für das Thema grundsätzlich vorhanden ist.

Durch den Beitrag im Deutschlandfunk am letzten Wochenende, sowie der erweiterten Berichtserstattung z.B. bei Sport1 gibt es nun natürlich auch erst einmal eine Wahrnehmung auf deutschlandweiter Ebene. Hier sollte man jedoch immer eine Sache im Hinterkopf haben. Die Situation, dass es mittelfristig ein vollwertiges Gegenangebot zu den bestehenden Verbänden gibt, ist für die meisten Sportler und Vereine vollkommenes Neuland. Man hat sich nie damit beschäftigen müssen, was man eigentlich macht, wenn man mal die Wahl hat.

Auch hier kann man ein anderes Beispiel aus der Wirtschaft bemühen. So können die Menschen seit gut 10 Jahren selbstständig den Energieversorger wechseln. Nach letzten Zahlen nehmen diese Möglichkeit jedoch bisher nur knapp 10% der Privat-Haushalte an. Es war für viele einfach vorher nicht relevanter Bestandteil des Lebens, das so etwas möglich ist. Eine ähnliche Situation ergibt sich nun auch mit der CoF auf fußballsportlicher Ebene.

Frage Junge Welt: Gibt es Verbandsvorbilder in anderen Ländern bzw. bei anderen Sportarten?
Antwort CoF durch René Jacobi

Nun es gibt zum Beispiel im Ringen die Deutsche Ringerliga, welche, z.B. einige auch für uns sehr relevante Wettbewerbsurteile vor deutschen Gerichten erstritten hat. Ansonsten wird natürlich das viel zitierte Thema der 4 Weltboxverbände ganz gern angeführt. Es gab einen entsprechenden Versuch des Aufbaus eines zweiten Basketball-Verbandes in Kroatien.

Allerdings sind die meisten dieser bisherigen Versuche eher aus der reinen Spielbetriebs-Sicht entstanden. Also die Durchführung eigener Veranstaltungen. Das hilft natürlich in einem gewissen Maße dem Sport auch. Den kompletten Ansatz, also vollwertiger Verband mit einem breiten Angebot an Services und auf die Mitglieder ausgerichtete Dienstleistungen hat allerdings noch keiner vor uns, zu mindestens nach unserem Wissen, in irgendeiner Sportart versucht.

Bekannte Überläufer von DFB wären ja vornehmlich ehemalige oder jetzige Profispieler. Diese wären zwar aus Reichweiten- und Wahrnehmungsgründen sicherlich spannend, aber, mit Ausnahme von Miro Klose, Lukas Podolski und Rafael van der Vart, gibt es wohl nicht viele die glaubhaft vermitteln könnten, dass ihnen der Amateurfußball so wichtig ist, dass sie sich aktiv bei einem Wettbewerber zu den bisherigen Organisationen engagieren.

Auch sollte man natürlich nicht vergessen, dass viele ehemalige Profis ja auch nach dem Ende ihrer Profi-Karriere in irgendeiner Art und Weise mit dem DFB verbunden sind.

Frage Junge Welt: Schaffen mehrere Verbände in einer Sportart zu mehr „Attraktivität und Qualität“ im Sport (Das Beispiel mit den diversen Boxverbänden dürfte doch eher nachdenklich stimmen, oder?)
Antwort CoF durch René Jacobi

Ich bin der Auffassung, dass wir das Thema der internationalen Boxverbände schwerlich mit dem Fußball als Mannschaftssportart vergleich können. Zum anderen sollten wir hier auch nicht auf die aktuelle Situation abstellen, sondern einmal ein paar Jahre zurück schauen. Zu Zeiten als z.B. Vitali und Wladimir Klitschko, Henry Maske oder Axel Schulz aktiv gewesen sind, hatten wir in Deutschland ein relativ hohes Interesse in der Bevölkerung an der Sportart. Darüber hinaus hat sich, zu mindestens wenn ich das mal rein auf mich beziehe, niemand so richtig für die Struktur der Verbände dahinter interessiert. Es war also vollkommen egal, unter welchem internationalen Boxverband der Kampf der oben genannten Sportler stattfand. Wenn einer der 4 im Ring stand, waren die Menschen vor den Bildschirmen.

Unser Wahrnehmungsproblem im Boxen kommt meiner Meinung nach gerade eher daher, dass wir derzeit keinen wirklich erfolgreichen Profi haben. Und das ist meiner Meinung nach weniger die Schuld der 4 internationalen Verbände. Rein auf nationaler Ebene haben wir wie beim DFB genau einen Verantwortlichen Verband, den Deutschen Boxsport-Verband. Dieser hat seinen Fokus allerdings auf dem Olympischen Boxen. Die Wahrnehmung des deutschen Boxsports wird hier also maßgeblich vom nationalen Box-Sport-Verantwortlichen geprägt.

Die Attraktivität im Boxen ist also stark abhängig von den Menschen im Ring.

Der Fußball, vor allem im Amateurbereich, wird an anderen Kriterien in Bezug auf Attraktivität und Qualität gemessen. So können die Amateurvereine nur dann erfolgreich agieren, wenn diese den Freiraum haben, sich aktiv mit der Aus- und Weiterbildung der Spieler und der Schaffung eines besseren Umfeldes zu beschäftigen.

Gute Verbandsarbeit muss also dort ansetzen, wo die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Vereinen heute ihre wertvolle Zeit nicht mit der Arbeit mit ihren Mitgliedern verwenden können.

Heute werden die Vereine jedoch vor allem mit administrativen Tätigkeiten belastet. So bindet zum Beispiel die Stellung eines Förder- oder Bauantrags heute unwahrscheinlich viele Stunden in den Vereinen. Und genau hier muss Verbandsarbeit, neben der Organisation des Spielbetriebs, ansetzen. Hier muss es nicht nur Angebote im Sinne von, wenn ihr dann mal etwas fertig habt, schickt uns das einmal zu, damit wir das in unseren Datenbeständen haben, geben, sondern ganz reale Unterstützung in Form von auf Verbandsseiten organisierten Spezialisten, die Vereinen aufgrund ihres Knowhows Schritt für Schritt von der Idee bis zur Umsetzung begleiten.

Ferner können die Amateurvereine auch nur dann gute Arbeit machen, wenn diese ihre meist ohnehin knappen finanziellen Mittel bestmöglich einsetzen können. Auch hierfür braucht es einen aktiven Verband, der zum einen die Kosten z.B. im Einkauf von Standard-Produkten (Kreide, Tore, Trikots, Bälle, Trainingsutensilien) etc. besser und einfacher organisiert, zum Anderen sehen wir unsere Aufgabe auch darin, die auf Verbandsseiten entstehenden Kosten durch administrative Aufwände auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.

So kann heute ein Großteil der Aufgaben, welche in den Verbänden mit Personal bearbeitet wird entweder entfallen, weil sie keinen Mehrwert bringt (z.B. die Bearbeitung von Genehmigungen für Spiele außerhalb des eigenen Wirkungsbereiches) oder diese kann mithilfe digitaler Prozesse und Abläufe verschlankt und hochgradig automatisiert werden.

Denn eine Sache sollte man dabei auch im Hinterkopf haben. In den Verbänden arbeiten üblicherweise ehrenamtliche Mitarbeiter, die ebenfalls zu einem Verein gehören. Wer also im Verband Tätigkeiten verrichtet, die eigentlich niemanden weiterbringen, fehlt im eigenen Verein um dort neue Themen zu unterstützen.

Frage Junge Welt: Welche Pläne haben Sie mit CoF für die nahe Zukunft?
Antwort CoF durch René Jacobi

Eines unserer Hauptziele für das Jahr 2019 bis Ende Q1 2020 liegt in der Schaffung der Grundstrukturen, welche ein Wachstum auch in größerer Zahl ermöglicht. Dazu bedingt es, insbesondere die konstanten Weiterentwicklung unserer IT-Plattform, welche eine vollständige Eigenentwicklung ist, als auch der Erarbeitung der grundsätzlichen Regularien, welche neben der Satzung den Spiel- und Arbeitsmodus unserer Organisation regeln, zu forcieren.

Ferner wollen wir unsere derzeit noch in den Pilotphasen vorhandenen Services, wie z.B. die Unterstützung bei Sportgerichtsverfahren, die Entwicklung von Vereinsstrategien sowie die medientechnische Unterstützung für Vereine zu einem festen Service-Angebot ausbauen.

Dazu suchen wir natürlich nach Mitstreitern, welche sich bei diesen Themen aktiv einbringen möchten, sodass wir natürlich auch das Ziel des weiterhin moderaten Wachstums im Blick haben.

Darüber hinaus laufen natürlich auch unsere Vorbereitungen für den 2. CoF Hallen-Cup in Grimma, der letztes Jahr schon sehr positives Feedback von den teilnehmenden Mannschaften erhalten hat auf Hochtouren. Doch auch bei diesem Turnier wollen wir noch einige Verbesserungen im Sinne der Sichtbarkeit und Wahrnehmung für die beteiligten Mannschaften und Teams schaffen sowie ein paar organisatorische Dinge vereinfachen.

Hinweise zum Interview

Für das Interview haben wir die Fragen schriftlich erhalten und diese auch schriftlich beantwortet. Darüber hinaus hat die Junge Welt von sich aus beim Berliner Fußballverband (BFV) nach einer Stellungnahme angefragt. Ebenso wurde der DFB um eine Antwort gebeten, welche erwartungsgemäß ausblieb. Ferner wurden die Vereine HFC Falke sowie FC Internationale Berlin für ein Statement angefragt. Die CoF oder ihre Mitglieder hatten hierbei keinerlei Einfluß darauf, wer für das Interview angefragt worden ist oder welche Person sich zu dem Thema geäußert hat.

Blitzschneller Pass in die Schnittstelle der sozialen Netze?

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Kategorie: CoF/DE/Organisation/Timeline/Vereine
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Autor: René Jacobi
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